Können mehrere Konzerngesellschaften unter einem gemeinsamen ISO-27001-Zertifikat geführt werden? Grundsätzlich ja – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Eine gemeinsame technische Plattform oder ein gemeinsamer Microsoft-Tenant reicht dafür nicht aus.

Entscheidend ist, ob ein einheitlich gesteuertes Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) besteht und sich auditierbar nachweisen lässt. Governance ist wichtiger als die gesellschaftsrechtliche Struktur. Dazu gehören:

  • einheitliche Sicherheitsleitlinien und Regelwerke,
  • klare Rollen und Verantwortlichkeiten,
  • gleiche Verfahren für Risikoanalyse und -behandlung,
  • konsolidierte interne Audits und eine gemeinsame Managementbewertung,
  • ein funktionierendes Korrekturmaßnahmen-Management,
  • vergleichbare Freigabe-, Ausnahme- und Eskalationsprozesse.

Praxisbeispiel: Eine Muttergesellschaft stellt Tochtergesellschaften zentrale Dienste bereit, etwa Identity- und Endpoint-Management, Logging, Backup und Patch-Management. Unterschiedliche operative Aufgaben der Töchter sind unproblematisch, solange dieselbe Steuerungslogik gilt.

Kritisch wird es, wenn die Gesellschaften zwar dieselbe Plattform nutzen, aber eigene Conditional-Access-Regeln, Gerätevorgaben, Ausnahmeprozesse oder Risikologiken haben. Dann existieren faktisch mehrere autonome Sicherheitssteuerungen nebeneinander.

Ein größerer Scope bedeutet nicht automatisch Effizienz: Er kann Auditplanung, Risikobewertung und Managementbewertung deutlich komplexer machen. Eine getrennte Zertifizierung kann die klarere und wirtschaftlich sinnvollere Lösung sein.

Drei Schritte: den Scope sauber definieren, die zentrale Governance nachweisbar machen und organisatorische Unterschiede ehrlich bewerten.

Die Mehrfachzertifizierung ist eine Architekturentscheidung im Managementsystem – der eigentliche Prüfpunkt ist die gemeinsame Führbarkeit des ISMS.